Freizeitstätte Garath
Sie denken beim Tango an melancholisch-sehnsüchtige
Bandoneonklänge?
Dann lassen Sie sich mal vom Sureste Tango Trio
mittels Astor Piazzollas farbigen Kompositionen die
Historie des Tango erzählen: vom fröhlichen "Bordell
1900", vom "Café 1930", in das mit den Menschen ihre
vielen Geschichten eintreten, und vom "Night Club
1960", wo der dumpfe Schummer der Klarinette Vorhänge
entblättert.
"Dass kein falscher Eindruck entsteht!" greift der
polnische Klarinettist und Saxophonist Wietek Kornacki
ein - "Es geht bei allem um das Gleiche: den Tango!"
Und der ist "fast so eine Musik wie Jazz", so
vielseitig und bildreich. Da kommt auf geradezu
spitzen Sohlen - Pianissimo der höchsten
Klarinettentöne - die "Palomita blanca" herein, wagt
dann einen flotten ¾-Tanzschritt, wirbelt kockett um
die eigene Achse und lockt einen Tänzer aus der Gruppe
zu einem etwas behäbigeren Bass-Solo. Soweit die
"klassische" Seite des Tango.
Bei "Sureste" schwingt mehr mit, der Süden (sur) und
der Osten (este) gleichermaßen.
Der Spanier Angel
García spielt an der akustischen Gitarre - nicht am
Bandoneon - virtuos den Part des Akkordinstruments,
und sein Stil ist deutlich vom Flamenco beeinflusst.
Davon zeugt seine wunderbare Hommage an den Tango,
"Temblor": zwischen Gitarre und Kontrabass
synkopisches Rhythmusspiel, spanisch verziert, ein
Klangteppich zum orientalischen Abheben fürs Saxophon.
Witek Kornacki den hinterhältig-besinnlichen
Conférencier voller östlicher Chuzpe, jazzt am
Sopransaxophon oder jiddelt auf der Klarinette den
alten Klezmer-Tango "Ich hob dich zufil lib".
Eine neue Art Tango also? Ja und nein: Die heute eher
atypische Besetzung ist historisch; ursprünglich war
die Gitarre statt des Bandoneon das Begleitinstrument,
wie auf frühen Aufnahmen von Carlos Gardel noch zu
hören. Aber deshalb und weil die drei Musiker ihren
Tango emotional als Begegnung verschiedener Kulturen
zelebrieren (und inszenieren), sind sie näher an
dessen schlagendem Puls als der glatte, einstudierte
Kult. Gleichwohl ist das Klassische - verwandelt -
herauszuhören, etwa in Piazzollas Abschied vom Vater,
"Adios Nonino", hier in hochkultivierter Transparenz
dargebracht, oder eben in der Ekstase der Zugabe, dem
schnellen, stimmungsvollen "Libertango". - "Wir alle
brauchen Kunst, Bilder, Musik. Wir sind verletzlich,
eigentlich einsame Menschen ... Soledad." Ach ... ,
der Tango.
CD "Soledad" bei International Music Company, Tel:
040-6699160