Fellbacher
Zeitung
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Sinnliche Klänge und mitreißende Rhythmen
„Sureste Tango Trio“ stellt im Grossen Haus in Schmiden seine ganz eigenen Interpretationen vor
Schmiden. Das größte Kompliment des Publikums war dieses Mal nicht einmal der Applaus: „Dass Sie alle noch da sind...“ staunte Klarinettist Witek Kornacki vom "Sureste Tango Trio“ am Freitagabend im Grossen Haus. nachdem sich die Pause zur „Halbzeit“ auf ein knappes Stündchen ausgewachsen hatte. Die Musiker hatten ihre Instrumente mitsamt dem einzigen Schlüssel in der Garderobe verwahrt und kamen nicht dran. Die Zuhörer wussten jedenfalls warum sie so lange fast vollzählig auf den Ersatzschlüssel und den zweiten Teil des Konzerts warteten. Von den ersten Takten an hatte die ganz eigene Tango-Interpretation des polnisch-spanischen Trios sie in ihren Bann geschlagen.
Keine vertrauten vollen Ziehharmonika-Klänge des Bandoneons. keine klagende Geige, kein den Takt hämmerndes Klavier, mit Angel Garcia Arnés Gitarre, und Witek Kornackis Klarinette wurde der ohnehin kammermusikalische Tango Nuevo noch einmal ausgelichtet. zu einem leichten transparenten, fast intimen Klangerlebnis. Und es fehlte nichts: Der sinnlich mit sich ziehende Rhythmus, die feine Melancholie. die schmerzliche Hingabe des argentinischen Tangos blieben immer fühlbar. Dazu schöpften die drei Musiker aus ihrem großen Fundus: Insbesondere aus Angel Garcia Arnés Eigenkompositionen. die neben den Klassikern von Astor Piazzolla einen musikalischen Pfeiler des Programms bildeten war ein kastilischer Hauch zu spüren, eine Ahnung von Flamenco rauschte aus seinen rasanten Gitarren-Soli durch den Gewölbekeller Witek Kornackis Klarinette atmete förmlich Klezmer-Atmosphäre: Sachtes Singen und todtrauriges Schluchzen fügte er zur Harmonie und zum Rhythmus seiner beiden Kollegen. ohne dass sich Chassidisches und Argentinisches auch nur im Geringsten störten. Eine warme nächtliche Atmosphäre verbreitete sich im Gewölbe. aus der die Zuhörer bei aller Verzögerung auch zu später Stunde nicht vorzeitig erwachen mochten – zwei Zugaben waren dem Publikum fast noch zu wenig.
Michael Steck