Die Essenz des Tangos

Das Sureste Tango Trio bot in Olten ein fesselndes Konzert

Auf Einladung des Vereins Jazz in Olten bot das Sureste Tango Trio in der voll besetzten Vario Bar ein intimes kammermusikalisches Konzert, das viel zu schnell zu Ende war.

Die Idee ist einfach:drei klassisch geschulte Musiker,quasi aus der Peripherie Europas - einer aus Spanien, die beiden anderen aus Polen -, finden zusammen und spielen Tango Nuevo. Diese Art des Tangos, welche die Vermischung mit anderen Stilistiken wie etwa dem Jazz nicht scheut, wurde von dem argentinischen Komponisten und Bandoneonnisten Astor Piazzolla etabliert. Von ihm stammten denn auch etwa die Hälfte der dreizehn Tangos, welche das Trio am vergangenen Samstag interpretierte.

Es gebe für sie auch anderes als Tango, erklärte Frontmann Witek Kornacki  im Verlauf des Abende mehrmals. So wurde das Konzert mit einer Polka -Nummer eröffnet und beendet mit "Palomita blanca" wählte das Trio einen Tango - Walzer aus, was für den klassischen Tango auch nicht gerade archetypisch ist.

Stimmungsvolle Vario Bar

Die Essenz des Tangos

 
Die Essenz des Tangos, die aufbegehrende Leidenschaft und eine gewisse Melancholie, kam in der  Vario Bar besonders gut zur Geltung. Eingehüllt von gedämpfter, warmen, leicht rötlichem Licht, saßen die fünfzig Zuschauer eng beieinander in dem kleinen, Stilvoll möblierten Raum im Untergeschoss, dessen Wände zur Zeit mit Akte in Zeichnungen geziert werden den. Diese seltene physische Präsenz und Nähe von Musikern und Publikum ließen eine einmalig intime Atmosphäre entstehen.

Kauziger Klarinettist

  Das Repertoire des Sureste Tango Trios erwies sich als vielfältig. Die Tangos, durchwegs von angenehmer, rund fünfminütiger Dauer, waren von abwechslungsreichen kompositorischem Habitus. Das Trio unternahm einen Streifzug durch die Geschichte des Tangos, welche Kornacki  mit seinen sympathischen und humorvollen Ansagen in gebrochenen Deutsch überzeugend darlegte.Da, ein Tango vom Rudolfo Mederos steht für Mädchen und spielt auf das demographische Problem Argentiniens zu Beginn des letzten Jahrhunderts an: da die Frauen zahlenmäßig stark untervertreten waren, müssten oft die Männer mit Männern tanzen, erläuterte Kornacki. „Bordell“ und „Night Klub“ beides Kompositionen Piazzolla , verweisen auf die ursprünglichen

Entstehungsorte des Tangos. Bei der Anreise nach Olten hätten sie sich über die immer noch installierte Weihnachtsbeleuchtung mit den roten Lampen  gewundert, ließ Kornacki  das Publikum in diesem Kontext mit einem Augenzwinkern  wissen. Überhaupt war Kornacki  ein ebenso witziger wie kauziger Typ, sowohl als „Erzähler“ als auch Musiker. Seine beiden unterschiedlich gestimmten Klarinetten und das Sopransaxophon bläst er sehr feinfühlig in diversesten Klangfarben mit Reger Bewegung und intensiver Gestik. Auf allen Instrumenten solierte er flüssig ternär und gab damit der Musik eine jazzige Note. Die atypische Besetzung mit Klarinette anstelle eines Bandoneons erwies sich tatsächlich als ein Glücksfall:

Intensives Interplay

Seine beiden Mitmusiker standen aber Kornacki  in nichts nach. Es war nämlich die Gruppe als Ganzes mit ihren intensiven Interplay, ihrer phänomenalen Dynamik sowie der spannungsvollen Dramaturgie, welche das Publikum begeisterte. Die beide Seiteninstrumentalisten waren nicht nur mit dem identischen Anzug bekleidet und symmetrisch zu Achse Kornacki  platziert, sondern spielten auch mehrere Sequenzen zusammen im Duo. Der Spanier Angel Garcia Arnés zeigte sich mit "Temblor" als interessanter Komponist und präsentierte dem Publikum sein akustisches Instrument in allen Fassetten: von der virtuosen Flamencoeinlage über gekonntes Fingerpicking, künstliche Flageoletts oder mit reibenden Voicings angereichertes Akkordspiel, bis hin zum Rhythmusgitarrespiel mit (wahwah - ähnlichen Sound) oder gar mit rein perkussiven Einsatz.

Den Musikern gelang es ausgezeichnet, ihre exzellenten handwerklichen Fähigkeiten mit ihrer profunden Musikalität zu verbinden. Mit der zu einem Medley umgewandelten Chick Corea Komposition "Spain" als zweite Zugabe setzte das Sureste Tango Trio zu einem vermeintlich letzten Höhepunkt an. Heftig applaudierend würde eine dritte Zugabe gefordert und selbst nach dieser fiel es einem schwer, sich mit dem Ende dieses einmaligen Konzert abzufinden

Ailvano Gerosa