Sonntag  23. September 2007

Sinnliche Klänge und Rhythmen

Eine musikalische Sternstunde der  Extraklasse im Dietiker Stadtkeller für alle Tangofreunde

Eine souveräne Gitarre, eine lebhafte Klarinette und ein introvertierter Bass zeigen die Facetten des Tangos

Das Trio Sureste Tango entführte sein Publikum in die vielschichtige Welt des Tangos. Chassidisches und Argentinisches ergänzten sich bestens


JEDER DER DREI MUSIKER, die sich 1996 zum Trio zusammenfanden, steht für eine andere Musikrichtung. Klarinettist und Saxofonist Witek Kornacki. in Polen geboren und Musiklehrer an der Kantonsschule Limmattal und in Dieti­kon lebend, hat sich intensiv mit der jü­dischen Klezmermusik befasst. Mit seinem leichten und virtuosen Spiel machte er sämtliche Klangfacetten seines In­struments hörbar Und schaffte es sogar, mitten im brillanten Lauf die Brille auf seiner Nase zurechtzurücken. Mit schelmischen Augen blickte der Impulsive ins Publikum und hatte mit seinen wit­zigen Ansprachen die Sympathien schnell auf seiner Seite. Der Deutsche Kontrabassist Guido Jäger gab das gute Fundament ab. In seiner musikalischen Begeisterung wirkte er oft so, als tanze er mit dem massigen Instrument einen wahrhaftigen Tango. Der spanische Gitarrist Angel Garcia Arnes ist der Arrangeur der Gruppe. Vielfach blitzte sein Einfluss als klassischer Flamenco-Spieler durch. Technisch höchst brillant zauberte der eher Stille im Trio feurige, iberische Elemente aus der Gitarre
 
ZU HÖREN WAREN keine vertrauten vollen Ziehharmonika-Klänge des Bandoneons, keine klagende Geige und kein den Takt hämmerndes Klavier. Mit Angel Garcia Arnes' Gitarre und Witek Kor­nackis Klarinette entfaltete sich der ohnehin kammermusikalische Tango Nuevo noch einmal zu einem leichten transparenten, fast intimen Klangerlebnis. Und es fehlte nichts: Der sinnlich mit sich ziehende Rhythmus, die feine Melancholie, die schmerzliche Hingabe des argentinischen Tangos blieben stets fühlbar. Dazu schöpften die drei Musiker aus ihrem enormen Fundus. Insbesondere aus Angel Garcia Arnes Eigen­kompositionen, die neben den Klassikern von Astor Piazzolla einen musikalischen Pfeiler des Programms bildeten, war ein kastilischer Hauch zu spüren. Eine leise Ahnung von Flamenco rauschte aus seinen rasanten Gitarren-Soli durch den Dietiker Gewölbekeller. Witek Kornackis Klarinette atmete förmlich Klezmer-Atmosphäre, Sachtes Singen und todtrauriges Schluchzen fügte er zur Harmonie und zum Rhythmus der beiden Kollegen. Chassidisches und Argentinisches ergänzten sich bestens. Die Zuhörer waren bei aller Verzögerung auch zu vorgerückter Stunde noch hellwach - drei Zugaben waren dem Publikum fast noch zu wenig.
 

ES WAR ERSTAUNLICH, wie freimütig das Trio Sureste Tango, mit der Musik umzugehen verstand. Trotz des hohen technischen Anspruchs traten die drei mit so viel Lockerheit auf, dass man bisweilen das Gefühl bekam, die Melodien würden beim Spiel gerade erst entstehen. Die Zuhörer waren fasziniert von dieser Musik, die so voll war von poetischen Farben und jazzigem Drive, von stillen Momenten, eroti­scher Spannung und kraftvollen humorvollen Tönen. Vom Konzert begeistert bemerkte eine Zuhörerin: «So etwas Tolles habe ich noch nie gehört und das in Dietikon»