
Sternstunden für Tango-Fans

Das Trio
„Sureste Tango“ konzertierte in der St.-Martini-Kirche
Estebrügge. Von Marion Albers Rund 100 Besucher füllten am Sonntagabend die Reihen
der St.-Martini-Kirche in Estebrügge. Sie erlebten ein grandioses Konzert der
Gruppe „Sureste Tango“, die gut zwei Stunden lang die Seele des Tangos
offenbarte.
„Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann.“ So beschrieb einst der
argentinische Tango-Komponist Enrique Santos Discepolo die gefühlsgeladene
Musik, die Ende des 19. Jahrhunderts den kleinen verrauchten Kaffeehäusern von
Buenos Aires und Montevideo entsprang.
In welch musikalischer Vielfalt sich diese Traurigkeit in der Tangomusik
spiegelt, zeigten Angel Garcia Arnes (Spanien) auf der Gitarre, Witek Kornacki
(Polen) auf der Klarinette und Guido Jäger (Deutschland) auf dem Kontrabass mit
großer Virtuosität und Hingabe. Doch ihr Spiel zeigte auch, dass der Tango sich
im Laufe der Jahre entwickelt hat.
Viele Kompositionen von Astor Piazzolla, dem Altmeister des Tango Nuevo,
standen auf dem Programm: Hier präsentierte sich eine moderne Variante des
Tangos, geprägt von wechselnden Tempi, ungeraden Metren und Klarinettenläufen,
die sich unverkennbar der Elemente des Jazz bedienten. Gerade diese atypische
Besetzung aus Klarinette, Kontrabass und Gitarre (statt der traditionellen Bandeone) verlieh der Musik eine besondere Spannung und machte das Konzert mit
seiner speziellen Akustik zu einem Ohrenschmaus.
In der zweiten Hälfte hörte das Publikum wieder die klassische, ursprüngliche
Form des Tangos. So lag bei dem Stück „Soledad“ – „Einsamkeit“ die pure
Sehnsucht und Melancholie in der Luft.
Und beim perfekten Wechselspiel zwischen Arnes, Kornacki und Jäger genossen die
Zuhörer in der Estebrügger Kirche Musik im Stil des argentinischen
Milongatanzes.
Für ihren anhaltenden Applaus und die hörbare Begeisterung bekamen die
Tango-Fans in Estebrügge schließlich zu drei Zugaben.
Artikel erschienen am: 10.10.2006